Alles auf Hoffnung
Mehr ist nicht zu sagen
Johannes Bobrowski
Friedrich-Wilhelm Junge Sprache
Günter "Baby" Sommer Schlagwerk

Der Titel hat, wenn man das Werk des Autors betrachtet, programmatischen Charakter. Das Prinzip Hoffnung steht als Botschaft für eine Bewältigung der Naziverbrechen. Hoffnung nicht durch Verdrängung und unter den Tisch kehren, sondern durch Erinnern, Bearbeiten und somit auch durch Schuld auf sich nehmen. Bobrowski wuchs um die Memel herum auf, wo Polen, Litauer, Russen, Deutsche und Juden miteinander lebten. "Das unglückliche und schuldhafte Verhältnis des deutschen Volkes zu seinen östlichen Nachbarvölkern" steht quasi als Erinnerungsarbeit im Mittelpunkt seines Werkes.

Die Interpretation der Bobrowski-Texte geriet in der Zusammenarbeit von Friedrich-Wilhelm Junge und Günter "Baby" Sommer zu einem Erlebnis. Weit entfernt von einem herkömmlichen Literaturabend verschmolzen hier Sprache und Musik in besonders glücklicher Weise miteinander. Junges SprachSgestus wechselte von Text zu Text, mal klar, exakt und gestochen scharf, mal in jiddischen Dialekt und ostpreußisch-litauischen Mutterwitz vorgetragen. Sommer begleitete die Worte seines Partners einfühlsam auf einem wahren Sammelsurium von Instrumenten. Auf Flöten, Pfeifen, Hupen, Hörnern und Akkordeon, aber vor allem mit seinem fantastischen Schlagzeugspiel, umspielte er den Text mal zärtlich, mal kraftvoll. Ein absolut gelungener Abend. Das Publikum bedankte sich mit minutenlangem frenetischen Beifall. (Berliner Mopo)